Soeben in den Medien :
Die Steueraffäre weitet sich aus: Nach Nordrhein-Westfalen
prüft nun
auch das Finanzministerium in Baden-Württemberg den Kauf von
Informationen über 2000 mögliche Fiskusbetrüger, die Geld auf
Schweizer Konten bunkern. Finanzminister Schäuble beschwört das Ende
des Bankgeheimnisses im Nachbarstaat.
Hamburg/Frankfurt am Main - Dem Finanzministerium in Baden-Württemberg
liegt ein Angebot vor, Daten potentieller Steuersündern zu kaufen. "Es
gibt eine entsprechende Offerte", sagte Ministeriumssprecher Bertram
Dornheim SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen entsprechenden
Bericht der "Frankfurter Rundschau" ("FR") vom Freitagnachmittag.
Wie viele Datensätze der Informant insgesamt angeboten hat, sagte
Dornheim nicht. Landesfinanzminister Willi Stächele sagte der
"Süddeutschen Zeitung", betroffen seien rund 2000 deutsche
Steuersünder.
Das Finanzministerium habe bereits Anfang Januar 2009 "einige wenige
Stichproben" potentieller Steuerbetrüger erhalten, sagte Dornheim. In
den vergangenen Wochen habe der Informant nun nachgelegt und der
Behörde "erhebliche Datenmengen" geliefert.
Eine CD habe man nicht erhalten - die Daten seien auf elektronischem
Weg übermittelt worden. Ihre Echtheit und Verwertbarkeit werde derzeit
geprüft.
Die gelieferten Datensätze betreffen laut Dornheim Steuerpflichtige
aus dem ganzen Bundesgebiet; die betroffenen Personen seien Kunden
"verschiedener Schweizer Banken und Versicherungen", sagte der
Sprecher - ohne genauere Details zu nennen.
Viele UBS-Datensätze unter den Stichproben
Nach "FR"-Angaben befinden sich unter den gelieferten Stichproben
besonders viele Daten der Schweizer Bank UBS , dazu Informationen über
Kunden der Credit Suisse und des Lebensversicherers Generali.
Die betroffenen Unternehmen reagierten verhalten auf den Bericht. "Uns
liegen dazu keine Erkenntnisse vor", sagte eine UBS-Sprecherin der
"FR". "Wir haben keine Hinweise, dass wir von einem Datendiebstahl
betroffen sind", sagte ein Credit-Suisse-Sprecher der
Nachrichtenagentur Reuters. Eine Sprecherin des Lebensversicherers
Generali wollte zunächst nicht Stellung nehmen.
Das Finanzministerium in Baden-Württemberg will sich laut Dornheim "so
schnell wie möglich" mit dem Bundesfinanzministerium abstimmen und
klären, ob es die Datensätze kauft oder nicht. Ministerpräsident
Günther Oettinger (CDU) setzte für Montag eine außerordentliche
Kabinettssitzung an, um über das Kaufangebot zu beraten. Stächele
sprach sich dafür aus, diese kaufen. "Derzeit laufen Stichproben.
Danach werden wir mit dem Bund die Frage des Ankaufs regeln", sagte er
der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn alle rechtliche Fragen geklärt sind,
bin ich dafür, die Daten zu kaufen."